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Ausstellung DON'T WON'T - ETH Zürich, Professur Karin Sander, Raum Maria Hilf

Orientierung, beziehungsweise das damit verbundene Handeln, sind psychologische Impulse, die unser Alltag durch stetig zu treffende Entscheidungen – mehr oder weniger bewusst – beeinflussen, diesen einteilen, vorantreiben oder verzögern. Die Fähigkeit, sich zu orientieren, ist eine überlebensnotwendige Eigenschaft: einerseits um sich als Individuum in sozialen Strukturen und Medien, kurz in der Gesellschaft, zurechtzufinden und sich selbst in ihr zu positionieren. Andererseits um räumliche Zusammenhänge zu erkennen und in ihnen das gewünschte Ziel erreichen zu können. Eine entsprechend große Bedeutung bei der Orientierung spielen neben einer gelungen Signaletik die immer wiederkehrenden Symbole und Zeichen, welche uns erziehen und prägen.

So durfte es selbst dem unaufmerksamsten Konsumenten der digitalen Räume aufgefallen sein: Die Kombination aus drei X taucht in der URL-Leiste der pornografischer Online-Güter öfter auf, als drei R oder vier G. Drei mal XXX, das bedeutet Hardcore. Nicht zu verwechseln ist das pornographische X-Triptychon mit den diversen X-en, die sich neben den Grußworten nahe stehender Personen in Mails und SMS breitmachen und für “Umarmungen” und „Küsschen“ stehen.

Auch in realen Räumen der heutigen Metropolen dient das X-Symbol der Orientierung und man begegnet diesem in vielfältiger Weise. Oft veranschaulicht das X dem Betrachter

welche Verhaltensweisen zu unterlassen sind, damit Unfälle vermieden und die Sicherheit gewährleistet werden kann. Die Summe dieser Interaktionsmodi bildet eine Art Gesellschaftsvertrag der ein konfliktfreies Handeln und das Miteinander in öffentlichen Räumen garantiert.

Solch ein Übermaß an Signal-Ethik, welches in dem DON’T.WON’T – Research abgebildet wird drängt die Akteure die implizierten Situationen als Vorschlag zu modifizieren oder gar abzulehnen. Seine Kulmination findet die vorliegende X-Studie in der 2017 realisierten Installation XXX TIMES SQUARE WITH LOVE.

Auf einem Arrangement aus drei übergroßen, pinken X-en, können New Yorker und Touristen relaxen, den Metropolentrubel an sich vorbeiziehen und sich in Sicherheit wiegen lassen. Sobald man es sich in einem X gemütlich macht und den Blick in die Höhe schweifen lässt, erhält man eine ganz neue Perspektive auf das bunte Medietreiben in Midtown Manhattan. Währenddessen wird man selbst in dem übermedialisierten Raum von den rund um den Times Square implementierten Webcams gefilmt.
Die X-Form der Liegen nimmt Bezug nicht nur auf die Kreuzung des Broadways mit der 7th Avenue, sondern spielt auch auf die ehemaligen Sex-Kinos und zahlreichen Etablissements an, die das Bild von Times Square bis zu seiner Revitalisierung in den 90er Jahren dominiert haben. Heute – im digitalen Zeitalter – werden über soziale Medien von diesem Ort aus “Umarmungen” und “Küsschen” verschickt. Und damit unterstreicht das X erneut sein lustvolles Dasein.

English

Orientation and/or the actions that are linked to it are psychological impulses that influence, divide, promote, or block our everyday lives though constant decision-making. The ability to orient ourselves is essential to our survival: on the one hand, orienting ourselves as individuals in social structures and media, in brief, to find our way in society and to position ourselves within it, on the other hand recognizing spatial contexts to be able to reach our desired goal. Successful signage and the repetition of symbols and signs that shape and police us are key to our society.

Even the most inattentive consumer in digital space must have noticed that the combination of three Xs surfaces more often in the URL line of pornographic online produces than the three Rs or four Gs. Triple X, that means hardcore. The pornographic triptych of Xs is not to be confused with the various Xs that appear alongside salutations among friends and intimates in mails and text messages, standing for kisses.

In the real spaces of today’s major cities, the X-symbol serves as orientation and is encountered in many ways. Often, the X indicates what behaviors are forbidden so that accidents can be avoided and safety is assured. The sum of these modes of interaction form a kind of social contract that guarantees action without conflict and coexistence in public spaces.

The excess of signage that is depicted in DON’T.WON’T

research forces the actors to modify or reject the implied situations as a suggestion: the X study found its first implementation in the 2017 installation XXX TIMES SQUARE WITH LOVE.

On an arrangement of three oversized pink Xs, New Yorkers and tourists can relax, let the hustle and bustle of urban life pass by and feel safe. As soon as they get comfy in an X and let their eyes wander upward, they are given a new perspective on the colorful media activity of Midtown Manhattan. As they do so, the participants themselves are filmed in the space overloaded with media by the webcams installed around Times Square. The X-shape of the lounges refers not just to the intersection of Broadway and 7th Avenue, but also to the former porn cinemas and numerous sex shops that formerly dominated the image of Times Square until its revitalization in the 1990s. Today, in the digital age, Xs are sent using the social media from this place as “kisses”: and so the “x” once again underscores its lusty existence.